
Der Aktienkurs von InPost stürzte ab, nachdem die Spannungen mit dem wichtigsten Partner Allegro eskalierten. Dem polnischen Zusteller drohen Schiedsverfahren wegen angeblicher Vertragsverletzungen, während der CEO von Allegro laut Reuters jegliche geschäftlichen Streitigkeiten bestreitet.
Starker Rückgang der Aktien
InPost verlor am Dienstag 13 Prozent an Wert , nachdem es ein schwächeres Wachstum in Polen gemeldet hatte. Die Aktie ist in diesem Jahr um mehr als ein Drittel gefallen, obwohl sie sich im Nachmittagshandel um 9 Prozent erholt hat. Die Allegro-Aktie legte um 2 Prozent zu.
Die finanziellen Beteiligungen sind beträchtlich – JPMorgan schätzt, dass Allegro 30 Prozent des polnischen Umsatzes von InPost ausmacht und im Jahr 2025 rund 48 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht.
Rechtsstreit eskaliert
InPost reichte im Juli eine Schiedsklage gegen Allegro wegen angeblicher Verletzung ihrer langfristigen Liefervereinbarung ein. Das Unternehmen behauptet, dass Allegro Kunden zu seinen eigenen automatischen Paketschließfächern umleitet, anstatt das Netzwerk von InPost zu nutzen.
«Wir glauben nicht, dass wir in einen Geschäftsstreit verwickelt sind», sagte Marcin Kusmierz, seit Juni neuer CEO von Allegro.
Er betonte, dass das Unternehmen alle Vereinbarungen respektiere und gleichzeitig neue Logistikpartner hinzufüge.
Strategische Diversifikation
Allegro baut aktiv ein eigenes Schließfachnetzwerk auf, um die Abhängigkeit von InPost und die Lieferkosten zu reduzieren. InPost räumt ein, dass die Police von Allegro zu einem Rückgang der Sendungen um 2 Prozent geführt hat, wobei 80 Prozent in den Schließfächern von Allegro landeten.
Der CEO von InPost, Rafal Brzoska, sagte, dass Kunden, die ausschließlich über Allegro einkaufen, weniger als 5 Prozent der Kunden des Unternehmens ausmachen. InPost diversifizierte sein Portfolio und wuchs im unabhängigen Einzelhandel um 17 Prozent – dreimal schneller als der Gesamtmarkt.
Internationale Expansion als Lösung
InPost setzt auf ausländische Märkte und erwirtschaftet bereits 52 Prozent des Umsatzes im Ausland, während Allegro 99 Prozent in Polen verdient. JPMorgan geht davon aus, dass das polnische Geschäft von InPost bis 2030 auf 35 Prozent zurückgehen wird.
Analysten erwarten angesichts der gegenseitigen Abhängigkeit der Unternehmen eine für beide Seiten vorteilhafte Lösung, obwohl InPost unter Margendruck geraten könnte. Sie behalten ein «Overweight»-Rating für die InPost-Aktie bei.
Basierend auf Reuters, Rzeczpospolita